Auf der Feuerwache Ost entstand 1987 für eine Weihnachtsfeier die Idee, ein Puppenspiel für die Kinder aufzuführen statt Zeichentrickfilme zuschauen. Uwe Schubert als Laienschauspieler und Michael Krohn, der während seiner Schulzeit das Handpuppenspiel erlernte, waren die Initiatoren und später auch die Gründer des Feuerwehr Handpuppentheaters. Beide Feuerwehrmänner von der Feuerwache Ost schrieben auch das Kasperstück für die Kinder. Das Spiel hieß: „Die geheimnisvolle Truhe“. Die Kollegen der dritten Wachabteilung bauten aus Holzlatten und blauen Vorhängen die erste Puppenbühne. Eigens für diesen Auftritt wurde sogar von einem Feuerwehrmann ein Kasperkopf aus Lindenholz nachgeschnitzt. Als Vorlage diente ein Original. Weitere Puppen wurden von einer Kieler Schule freundlichst zur Verfügung gestellt. Nach einem Monat der Proben gelang auf Anhieb das Experiment. Premiere war am 19. Dezember 1987 vor kleinen und großen Publikum mit großem Applaus. Schubert und Krohn entschieden sich fürs Weitermachen mit dem Puppentheater und legten den Grundstock:
„Es lebe das Puppentheater"
Zunächst begann der Umbau zu einer mobilen Bühne um in verschiedenen Spielstätten zu gastieren. In Grundschulen gastierten die Feuerwehrmänner mit ihrem privaten Puppentheater und spielten mit drei verschiedenen Spielstücken. Eigene Handpuppen wurden eigens angeschafft. Mit den neuen Handspielpuppen spielten sich Schubert und Krohn in die Herzen der Kinder und ließen ihre weiteren Ideen und Phantasien zum aktivieren Handpuppenspiel schweifen. Bis 1993 erlebten die zwei Laienpuppenspieler einen Siegeszug. Dieses kleine, mobile Theater sollte für die Zukunft ein weiteres Spektakel erleben. Schubert und Krohn wollten das Puppentheater sinnvoller mit einem Lerneffekt für Kinder, ähnlich wie der Verkehrskasper der Landespolizei, ausbauen und einsetzen. Ein Konzept für den „ersten Feuerwehrkasper“ in Schleswig-Holstein wurde erstellt.
Uwe Schubert und Michael Krohn wussten als Feuerwehrbeamte, dass fast jede dritte fahrlässige Brandstiftung durch Kinderhand verursacht wird. In Deutschland gibt es hunderte von Millionen Euro an Sachschäden. In großen Teilen der Bevölkerung zeigt sich immer noch das nicht ausgeprägte Brandschutzbewusstsein. Eine systematische und effektive Brandschutzaufklärung ist nur bei Kindern und Jugendlichen denkbar. Deshalb wird schon im Kindergartenalter begonnen, weil diese Altersgruppe von Kindern im häuslichen Bereich erste Kontakte mit Zündmitteln bekommen. Die Schleswig-Holsteinischen Feuerwehren besitzen mit der Brandschutzaufklärung für Kinder seit 1987 einen hohen Stellenwert. Einen Feuerwehrkasper der vor Feuergefahren warnt und aufklärt, gab es bislang noch nicht. Die Brandschutzaufklärung gelte es weiterhin in den Blickpunkt zu stellen und die Öffentlichkeitsarbeit der Feuerwehr kann viele Gesichter haben.
Die Kieler Berufsfeuerwehr nahm 1993 eine neue Form zum Anlass, die wieder Aufmerksamkeit zum Thema Vorbeugung erzielen sollte:
„Feuerwehr und Puppenspiel“
Es war im November 1993, da betrat in der Kieler Theodor-Heuss-Schule erstmals ein Kasper das Rampenlicht, der sich in den Dienst der Brandschutzaufklärung für Kinder stellte. Es war die Premiere der ersten Feuerwehr Handpuppenbühne in Schleswig-Holstein. Ob in Kindergarten, Klassenraum, Turnhalle oder Gemeinderaum – dieses kleine und mobile Theater aus Kiel, das kein Theater für Große ist, wird großes Theater für Kinder. Die Kinder als Zuschauer bei der Feuerwehr Puppenbühne ist kein Zufall – sondern Absicht. Seit der Gründung 1993 heißt es für 45 Minuten mit jeder Vorstellung: „Vorhang auf“ und das vierköpfige Spielerteam der Berufsfeuerwehr Kiel vermittelt mit original Handspielpuppen aus Hohnstein spielerische Aufklärung ohne erhobenen Zeigefinger – kindgerechter als jeder trockener Unterricht.
Im Handpuppenspiel werden die Kinder mit einbezogen und der Kasper löst die Probleme nicht mit Gewalt, sondern mit wachem Auge setzt er seinen Humor und Einfallsreichtum ein. Er langweilt die Kinder nicht mit Moralpredigten sondern zieht sie mit in den Bann.
Erfolgsrezept: Feuerwehr und Puppenspiel mit der Botschaft Vorbeugung und Unterhaltung. Im Letzteren steckt das Wort „Haltung“. Die Unterhaltung soll weiterhin so sein, dass es den Kinder – wenn sie raus gehen – besser geht als vorher und dieses schöne Gefühl ein paar Stunden anhält. Wenn Kinder zukünftig nur noch in der digitalen Welt leben, erleben sie kaum noch die reale Welt.
