Das Puppenspiel

Geschichtliche Entwicklung

Aus der Geschichte des Puppenspiels

Die Meinungen über den Ursprung des Puppenspiels gehen auseinander. Es ist weit vor unserer Zeitrechnung entstanden. Zeugnisse belegen, das Indien und China eine jahrhundertealte Bühnenkunst traditionell belegen. Von dort gelangte das Puppenspiel nach Persien und von den Arabern nach Europa gebracht. Man weiß auch, dass schon im alten Griechenland Puppenspiele bekannt waren.

Aristoles erwähnte zum Beispiel die Marionettenspiele und ihre Anziehungskraft auf die Menschen. Die Geschichte des Puppenspiels ist die erstaunliche Geschichte der Wanderschauspiele, die einen solchen Grad internationaler Verschmelzung erreichten, wie man sie vielleicht in keiner anderen Form der Volkskunst findet.

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648) nahm das Puppenspiel in Deutschland einen außerordentlichen Aufschwung. Die Unsicherheit der damaligen Verhältnisse, Geld- und Raummangel zwangen die wandernden Schauspielertruppen der Menschentheater dazu, sich aufzulösen. An ihrer Stelle traten die Puppenspieler mit ihrem kleinen und weniger kostspieligen Theater. Ob die Puppenspiele kirchlicher oder weltlicher Natur waren, immer spielte der Hanswurst die darin entscheidende Rolle. Diese lustige Person war es, die das Publikum in die Vorstellungen lockte. Es war ein derber Spaßmacher der auf der Bühne prügelte und unflätige Witze riss. Im 18. Jahrhundert kam es auf der Menschenbühne in Deutschland zu einer Theaterreform. Man wehrte sich gegen das Unwesen des Hanswursts und verbannte ihn von der Menschenbühne. Auf der Puppenbühne blieb der Hanswurst. Auch der listig-kluge Kasper sank auf das Niveau des Rummelplatzes. Hier trat der Jahrmarktskasper recht grob auf.

Das Puppenspiel war im 19. Jahrhundert an einem toten Punkt angelangt. Dem Niedergang des Kasperspiels musste Einhalt geboten werden.

Max Jacob und die Hohnsteiner Puppenspiele

Max Jacob (1888-1967) war der Gründer der Hohnsteiner Puppenspiele und brachte den gleichnamigen KASPER und die Bühne zu Weltruhm. Schon in jungen Jahren fühlte sich Max Jacob der Wandervogelbewegung verbunden. Als Anhänger der Volkskunst war er 1921 Zuschauer eines Puppenspiels in Hartenstein im Erzgebirge. Von nun an war er fasziniert von dieser darstellenden Kunst.

historie-hohnsteiner-kasperZu dieser Zeit war das Puppenspiel auf tiefem Niveau und der Kasper mit seinen Derbheiten war auf dem Jahrmarkt zu Hause. Max Jacob kaufte sich Handpuppen, studierte ein Stück ein. Als Mitspieler stand sein Freund Theo Eggink zur Seite. Von nun an fanden die Hartensteiner Puppenspiele ihre Gründung. Zusammen mit Elisabeth Grünwaldt als Kostümbildnerin und Theo Eggink reformierte Max Jacob die Kasperspiele und setzte die Handpuppen als pädagogisches Mittel ohne erhobenen Zeigefinger um.

Jacob und seinen Mitarbeitern gelang es, Kindern und Erwachsenen ein Interesse und den Wert dieser Darstellung zu wecken. Schließlich waren zu dieser Zeit Puppenspieler keine „Künstler“, wie etwa die Schauspieler. In den Anfängen schnitzte Theo Eggink die Puppenköpfe und wechselte 1924 nach Dresden in die Kunstakademie um Holzbildhauer zu werden.

Die Spielergruppe um Max Jacob wurde größer und ein Umzug nach Hohnstein in die sächsische Schweiz folgte 1928. Die Burg Hohnstein wurde die neue Spielstätte, denn als Jugendherberge lieferte die Einrichtung automatisch Zuschauer. Der Bekanntheitsgrad nahm zu und ab nun nannten sie sich DIE HOHNSTEINER.

historie-burg-1Während der NS-Zeit musste die Künstlergruppe aus der Burg umziehen in ein Mehrfamilienhaus. Auf Initiative des Bürgermeisters kam es 1933 zur Grundsteinlegung des legendären Kasperhauses.

Max Jacob und seine Mitarbeiter zogen ein Jahr später in ihre neue Spielstätte ein und wohnten dort zur Miete. Der Film entdeckte die HOHNSTEINER und 1936 folgten für die kommenden achtzehn Jahre rund dreißig Kinderfilme.

Eine Einladung zur Weltausstellung in Paris war für vier Spieltage angesagt in einem besonders gebauten Puppentheater. Neben mehreren europäischen Puppenbühnen wurden die HOHNSTEINER mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Während des zweiten Weltkrieges werden die Puppenspieler zur Truppenbetreuung an der Ostfront eingesetzt. Es überlebten Max Jacob und Rudolf Fischer.

Nach der Kapitulation zieht es Jacob nach Hamburg und macht mit seiner Bühne dort einen Neuanfang. Vier Jahre später wird eine neue Hohnsteiner Bühne in Hamburg unter der Leitung von Friedrich Arndt eröffnet.

Im Alter von 65 Jahren löst Max Jacob seine Bühne im Jahr 1953 auf und bleibt weiterhin als Dozent für das Puppenspiel aktiv. Bundespräsident Theodor Heuss verleiht 1956 Max Jacob das Bundesverdienstkreuz der 1. Klasse. Ein Jahr später wird Jacob zum Präsidenten der UNIMA (Internationale Vereinigung der Puppenspieler und Figurentheater-Interessierten) und bleibt bis 1967 in diesem Amt. Nach dem Tode Max Jacob im Jahr 1967 führten drei Hohnsteiner Bühnen das Lebenswerk weiter. Friedrich Arndt,  Harald Schwarz und Erich Kürschner trugen den Namen der kleinen Stadt Hohnstein in der sächsischen Schweiz in die Welt hinaus. Im Jahr 1971 feierten die HOHNSTEINER ihr 50-jähriges Jubiläum.

Nachdem alle Bühnenleiter bereits gestorben sind, existieren seitdem keine nachfolgenden HOHNSTEINER Puppenbühnen die einen direkten Draht zu Max Jacob und seiner Verwirklichung zum Hohnsteiner Spiel-Stil haben. Noch heute werden im sächsischen Hohnstein traditionell Handpuppen hergestellt und vertrieben.

Puppenspieler Max Jacob

historie-jacob-mMax Jacob war Puppenspieler mit Leib und Seele. Er und seine Mitspieler reformierten das Puppenspiel und ganz besonders den Kasper. Sie brachten das Handpuppenspiel auf ein hohes, künstlerisches Niveau das weltweit angesehen war.

Max Jacob wurde am 10. August 1888 in Bad Ems geboren. Schon als junger Mann fühlte er sich zur Wandervogelbewegung verbunden. Auch interessierte er sich für die deutsche Volkskunst. In Hartenstein im Erzgebirge wurde er 1921 Zuschauer eines Puppenspiels.

Diese Faszination der darstellenden Kunst ließ ihn nicht wieder los. Er kaufte sich Handpuppen und studierte mit seinem Freund Theo Eggink ein Spielstück ein. Zu seinem 33.ten Geburtstag führten Jacob und Eggink vor Publikum ein Puppenspiel vor. Die Hartensteiner Puppenspiele entwickelten sich hieraus. Zu dieser Zeit war das Puppenspiel nicht gut angesehen. Der Kasper war als derber Geselle auf dem Jahrmarkt zu Hause und prügelte auf der Spielleiste.

Max Jacob, Theo Eggink als Schnitzer und Elisabeth Grünwaldt die Kostümschneiderin reformierten das Kaspertheater. Ein neuer, freundlicher Kasper betritt nun die Puppenbühne. Er wird die kommenden Jahre auch die erwachsenen Zuschauer in die Spielorte strömen lassen. Die Spielergruppe vergrößert sich und 1928 erfolgt ein Umzug nach Hohnstein in die sächsische Schweiz. Die Burg Hohnstein wird Wohn- und Spielstätte der Künstlergruppe.

historie-kasperhausDer Bekanntheitsgrad steigt und sie nennen sich DIE HOHNSTEINER. Während der NS-Zeit müssen Jacob und Mitarbeiter die Burg verlassen. Sie ziehen in ein Mehrfamilienhaus ein. Im Jahr 1934 beziehen sie das neue Kasperhaus in Hohnstein. Es folgen Radiosendungen, Kurzfilme für Kinder. Eine Einladung zur Weltausstellung nach Paris lockt für vier Spieltage und die Hohnsteiner Puppenspieler werden mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Während des Zweiten Weltkrieges wird die Bühne Max Jacob zur Truppenbetreuung an die Ostfront eingesetzt. Max Jacob überlebt die Kriegswirren und geht nach Hamburg. In der Hansestadt beginnt der Neuanfang seiner Hohnsteiner Bühne.

Im Alter von 65 Jahren verabschiedet sich Jacob als aktiver Puppenspieler und löst seine Bühne auf. Er widmet sich als Dozent für das Handpuppenspiel. Bundespräsident Theodor Heuss verleiht Max Jacob 1956 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse. Ein Jahr später wird Jacob einstimmig zum Präsidenten der UNIMA (Internationale Vereinigung der Puppenspieler und Figurentheater-Interessierten) gewählt. Es folgen zwei Wiederwahlen 1960 und 1962. Max Jacob starb am 8. Dezember 1967 in Hamburg. Auf dem Friedhof, gleich neben dem Kasperhaus, sind Max Jacob und seine Frau im sächsischen Hohnstein beigesetzt.

Puppenspieler Friedrich Arndt

historie-arndt-fFriedrich Arndt hatte in den 1940er Jahren das große Glück, das aus seiner Leidenschaft ein Beruf geworden ist. Puppenspieler aus Berufung mit Leib und Seele. Er machte den Hohnsteiner Kasper zum Fernsehliebling im Kinderprogramm.

Geboren wurde Friedrich Arndt 1905 in Hamburg. Oft nahm ihn sein Vater bei Spaziergängen mit und schauten sich auf dem Spielbudenplatz in St. Pauli volkstümliche Kasperstücke an. Gern wollte der kleine Arndt auch so ein Theater haben.

Als junger Mann begann er zunächst eine Ausbildung zum Kaufmann. Sein Bruder war Lehrer. Eines Tages besuchten beide einen Übungsabend, wo die Lehrerkollegen vom Bruder ein Kasperstück probten. Es war eine kleine Laienspielergruppe die für Erwachsene Puppenspiele aufführen wollten. Der Name der Bühne lautete unter einem Trägerverein „ Deutsche Handpuppenspiele Hamburg“.

Nach einiger Zeit löste sich die Spielergruppe auf. Friedrich Arndt blieb dem Puppenspiel treu und baute zusammen mit einem Schulfreund eine eigene Bühne. Sein Bruder schnitzte die Puppenköpfe. Diese Liebe zum Handpuppenspiel pflegte Arndt sehr. Die Gruppe spielte auf Plattdeutsch. Der Name der Bühne lautete „Hamborger Poppenspeeler“.

Friedrich Arndt lernte 1926 seine spätere Frau Anni kennen. Dieses junge Mädchen wurde von der Leidenschaft des Puppenspiels angesteckt. Erst nähte sie die Kleider der Puppen und später wirkte sie auch hinter der Bühne mit. Erst spielte die Gruppe in Hamburg und später in Schleswig-Holstein. Friedrich Arndt war zu dieser Zeit Bilanzbuchhalter in Hamburg. Im Jahr 1928 bekommt Arndt den ersten Kontakt zur Hohnsteiner Bühne unter der Leitung von Max Jacob. Als Berufspuppenspieler gab Jacob nach der Vorstellung freundliche Auskünfte und von da an pflegte Arndt den Kontakt zu seinem Vorbild. Mit den Kriegsjahren wurde Arndt 1939 Soldat. Er wurde durch das Puppenspiel zur Marine versetzt. Hier lehrte er als Dozent für das Handpuppenspiel.

In Kühlungsborn kommen Friedrich Arndt und Max Jacob wieder zusammen. Später werden beide nach Kiel versetzt und spielten mit der Bühne vor mehreren Marineeinheiten. Jacob und Arndt wohnten auf einem Wohnschiff. Am 8.Mai 1945 war der Krieg zu Ende. Max Jacob bot Friedrich Arndt an, Mitarbeiter an seiner Hohnsteiner Bühne zu werden. Arndt sagte dem Angebot gleich zu und sein Kindheitstraum ging in Erfüllung: er wurde Berufspuppenspieler.

Im Jahr 1949 erfolgte die Gründung der eigenen Hohnsteiner Bühne. Max Jacob beauftragte Friedrich Arndt mit der Leitung bis zum Jahr 1970. Das Fernsehen entdeckte den Hohnsteiner Kasper 1964. Hier produzierte der WDR in Köln die Sendereihe „Kasper und Rene“ für das Kinderprogramm. Friedrich Arndt hat mit dieser Fernsehsendung einen ganz erheblichen Beitrag im Zusammenspiel von Handpuppe und Mensch geleistet.

Der Schauspieler Peter Rene´ Körner war der menschliche Partner vom Hohnsteiner Kasper. Gespielt natürlich von Friedrich Arndt. Arndts Frau Anni war die Schöpferin des berühmten Fersehhasen „Hase Cäsar“. 1984 wird Friedrich Arndt Ehrenmitglied der UNIMA (Internationale Puppenspielervereinigung).

Am 4. Februar 1985 ist Friedrich Arndt in Hamburg gestorben.

Schnitzer Theo Eggink

Theo Eggink wurde am 7. Juni 1901 in Riga geboren. Er gehörte der Wandervogelbewegung an und war Holzbildhauer. Seine Arbeiten prägten eine Kunstrichtung, nämlich die hohe Kunst des Schnitzens von Puppenköpfen für das Puppenspiel.

Eggink lernte Anfang der 1920er Jahre den Puppenspieler Max Jacob in der Wandervogelbewegung kennen. Er schnitzte zunächst mit einem Taschenmesser die ersten Köpfe für Max Jacob. Ebenfalls war Eggink der erste Mitspieler von Jacob bei den Hartensteiner Puppenspielen. Er verließ die Bühne um Max Jacob, denn er ging seinem Wunsch, Holzbildhauer zu werden, nach. Seine Köpfe überzeugten die Fachleute in der Dresdner Kunstakademie, so dass Eggink im Jahr 1924 nach Dresden wechselte und Meisterschüler von Professor Winde wurde. Für die Bühne Max Jacob schnitzte er als Stammschnitzer weiter.

Theo Eggink und Max Jacob reformierten den rauen Kasper vom Jahrmarkt und ließen im äußeren Aussehen einen neuen Kasper-Charakter entstehen. Auf der Spielleiste saß nun ein freundlicher, ruhiger und überzeugender Freund der Kinder. In den vielen Jahren des künstlerischen Schaffens, ließ Eggink hunderte von Charakter- und Phantasieköpfe entstehen.

Seine Arbeiten signierte er nie. Im Alter von 63 Jahren, verstarb Theo Eggink am 30. Juni 1965 in Hohnstein. Auf dem kleinen Friedhof in der Nähe des Kasperhauses fand er seine letzte Ruhe.

Schnitzer Till de Kock

Till de Kock, geboren im Jahre 1915, ist einer der bekanntesten Holzbildhauer und Figurenbildner. Nach Theo Eggink als Stammschnitzer der Hohnsteiner Puppenspiele, war er der zweite Schnitzer.

Die besonderen Sätze an Köpfen im Hohnsteiner Stil, waren für die Bühne von Friedrich Arndt in Hamburg geschaffen. Puppen für Hohnsteiner Filme und für die WDR Kindersendungen „Kasper und Rene“ verließen das Atelier von Till de Kock. Im Laufe der gut 60 Jahre seines Schaffens als Holzbildhauer, gestaltete de Kock rund 30.000 Handpuppen, Stabfiguren und Marionetten.

Zunächst fertigte er die Puppen in Kiel-Schilksee und später in Bad Lauterberg im Harz. In Anlehnung vom Eggink- Stil fertigte de Kock seinen eigenen Hohnsteiner Schnitzstil, das auch sein Markenzeichen blieb.

Noch heute trifft man Figuren von Till de Kock auf zahlreichen Puppenbühnen. Im Jahr 2003 beendete Till de Kock sein künstlerisches Handwerk und schloss sein Atelier im 88. Lebensjahr. Im hohen Alter von 95 Jahren verstarb Till de Kock am 03. November 2010 im Harz.

Viele geschnitzte Puppen stehen noch heute auf den Brettern zahlreicher Puppenbühnen, die die Welt bedeuten.

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